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KÖLN – Der Schleier der Geheimnisse, der
in den vergangenen Monaten über der Weltreise und den jeweiligen
Aufenthaltsorten von Bhagwan Shree Rajneesh lag, kann jetzt gelüftet
werden. Seine persönliche Sekretärin, Ma Prem Hasya, hatte bereits
in einem Brief an die Rajneesh Times (RT Nr. 15) angedeutet, dass sich
durch die Reise das wahre Gesicht der sogenannten westlichen Demokratien
enthüllte, die zwar auf eine freiheitliche Verfassung gegründet
sind, dieser jedoch weder dem Geiste noch dem Buchstaben nach folgen.
Die nachstehende Chronologie zeigt, wie sich die Weltreise Bhagwans zur
Odyssee entwickelte. Die Bewegungs- und Redefreiheit Bhagwans wurde entweder
von vorurteilsbeladenen Bürokraten oder ängstlichen Politikern
von Staaten, die in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu den USA stehen,
eingeschränkt.
2. Januar 1986
Bhagwan fliegt von Kulu Manali nach Neu Dehli (und überrascht uns
damit alle). Er kündigt an, dass er auf Weltreise gehen werde.
3. Januar 1986
Bhagwan fliegt nach Katmandu, Nepal. Er wohnt im Hotel Oberoi und beginnt
wieder, morgens und abends Diskurse zu geben. Hunderte von Sannyasins
kommen aus Indien und Übersee, um ihn zu besuchen.
15. Februar 1986
Bhagwan verlässt Katmandu, um weiter auf Weltreise zu gehen. Er fliegt
Erster Klasse nach Bangkok und dann weiter nach Dubai, von wo aus er mit
einer Privatmaschine nach Kreta reist. Er kommt dort am 16. Februar an
und erhält ein 30-Tage-Visum. Die Weltpresse und Hunderte von europäischen
Sannyasins treffen sich bei seinem Haus in Agios Nikolaos. Bhagwan beginnt
auch hier, Morgen- und Abenddiskurse zu geben. Alle sind begeistert, außer
den örtlichen Bischöfen, die Presseerklärungen und Petitionen
veröffentlichen, in denen Bhagwan als eine Gefahr für die Gesellschaft
bezeichnet wird. Die orthodoxe kirchliche Hierarchie wirft schnell ihr
ganzes Gewicht gegen Bhagwan in die Waagschale, indem sie die griechische
Regierung ultimativ auffordert, Bhagwan auszuweisen, bevor es zum „Blutvergießen“
kommt.
5. März 1986
Siebzehn Tage nach Bhagwans Ankunft stürmen bewaffnete griechische
Polizisten sein Haus, während er schläft, und befehlen ihm mitzukommen.
Sie verweigern ihm die Auskunft, an welchen Ort er gebracht wird, und
lehnen es ebenso ab, ihm Zeit zu geben, um seine Medikamente einzupacken.
Sie nehmen ihn zum Hafen von Heraklion mit, wo er der Hafenpolizei übergeben
wird. Dort informiert man ihn darüber, dass sein Visum ungültig
gemacht wurde und dass man ihn per Schiff nach Indien abschieben werde.
Gegen eine Zahlung von 25.000 Dollar erklärt die Polizei sich bereit,
Bhagwan in seinem eigenen Jet, der nach Athen eingeflogen wurde, reisen
zu lassen. Auf dem Athener Flughafen hält Bhagwan eine improvisierte
Pressekonferenz („Ihr seid noch genauso barbarisch wie zu der Zeit,
als ihr Sokrates vergiftet habt.“)
Er verlässt Griechenland in seinem Jet um Mitternacht. Die Flugrichtung
ist Spanien. Auf dem Weg dorthin wird der darüber informiert, dass
Spanien ihm die Einreise verweigert hat.
6. März 1986
Bhagwans Ankunft in Genf, Schweiz, wo ihm ein 7-Tage-Visum ausgestellt
wird. Fünf Minuten später – er hatte noch nicht das Flugzeug
verlassen – erscheinen mit Gewehren bewaffnete Polizisten und geben
den Befehl, dass jedermann an Bord zu bleiben habe. Bhagwans Visum wird
mit einem großen Stempel für ungültig erklärt. An
die Piloten ergeht der Befehl, unverzüglich zu starten.
Das Flugzeug geht in Richtung Schweden, wo die Reisegruppe die mündliche
Zusicherung bekommt, dass die indischen Mitreisenden 14 Tage im Land bleiben
könnten. Dennoch sind – kurz nach Verlassen des Flugzeugs –
die Türen zu der „Lounge“, wo Bhagwan die Ankunft seines
Gepäcks erwartet, abgeschlossen. Auf der Bildfläche erscheinen
bewaffnete Polizei und der Chef des Einwanderungsbüros, der Bhagwan
auffordert, das Land unverzüglich zu verlassen.
Das Flugzeug hebt ab in Richtung London und erreicht Heathrow um 20.00
Uhr. Nach dem Gesetz müssen die Piloten eine achtstündige Pause
einlegen.
Bhagwan verlässt das Flugzeug, um die Nacht in der Ersten Klasse
„Transit Lounge“ zu verbringen. Aber sofort erscheinen uniformierte
Beamte und fordern Bhagwan auf, ihnen in das Büro der Einwanderungsbehörde
zu folgen. Dort wird er in einem winzigen, völlig verdreckten Raum,
zusammen mit betrunkenen Ausländern untergebracht. Bhagwan und seine
Begleiter werden mehrere Stunden lang vernommen. Man macht ihnen deutlich,
dass aufgrund einiger „nebengesetzlicher Bestimmungen“ sie
sich nicht über Naht im Transit aufhalten dürfen, obgleich sie
Tickets für die Weiterreise vorweisen können, sowie einen wartenden
Jet abseits der Piste. Um Mitternacht schließlich eröffnet
man Bhagwan, dass er England, selbst um nur die Nacht in einem Hotel zu
verbringen, nicht betreten dürfe. Er wird, so heißt es, die
Nacht unter Bewachung verbringen müssen. Am nächsten Morgen
müsse er das Land sofort verlassen.
Die Naht der Abschiebehaft verbrachte er in einer Art überfüllten
und entsetzlich verdreckten Gefängnis, das er mit Flüchtlingen
aus armen Ländern teilt, denen – wie ihm – die Einreise
nach England verweigert wurde. Die offizielle Begründung lautet,
dass seine Anwesenheit „dem Allgemeinwohl nicht dienlich sei“.
Wie Bhagwan später sagt: „Warum haben sie nur soviel Angst
davor, was ein einzelner Mann in einer Nacht alles tun könnte?“
7. März 1986
Bhagwan verlässt England und fliegt Richtung Shannon, Irland, zum
Zwischentanken. Der Plan ist, in die Karibik zu fliegen, wo ein Land ihm
ein Visum zugesagt hat. Der Flughafen von Gander, Kanada, lehnt es jedoch
ab, dem Flugzeug Bhagwans Landeerlaubnis für einen notwendigen Zwischenstop
zu erteilen, damit das Flugzeug aufgetankt werden kann. Aus diesem Grund
erhalten die Piloten in Shannon eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung
für die ganze Gruppe, bis das Problem des Auftankens gelöst
ist.
Bhagwan erhält ein 3-Monats-Visum. Er fährt ins Jury`s Hotel
in Limerick. Am nächsten Morgen erscheint dort die Polizei und fragt
nach seinem Pass. Ohne Umschweife wird sein Visum für ungültig
erklärt. In der Zwischenzeit wurden jedoch Anwälte in Dublin
kontaktiert, die hervorragende Verbindungen zur Regierung haben. Diese
erreichen, dass Bhagwan in Irland bleiben kann, bis man Klarheit über
die Angelegenheit auf dem Flughafen von Gander, Kanada, bekommen hat oder
bis eine alternative Flugmöglichkeit ausgearbeitet ist.
Während dieser Zeit versuchen Ma Prem Hasya, Bhagwans persönliche
Sekretärin, und Wwami Jayesh, in hektischen Bemühungen ein Land
zu finden, das Bhagwan eine Aufenthaltsgenehmigung für die Dauer
von ein paar Wochen gewährt. Im Europäischen Parlament wird
eine Gesetzesvorlage angekündigt, die Bhagwan die Einreise in alle
Länder der Europäischen Gemeinschaft unmöglich machen soll.
Die amerikanische Regierung übt auf jedes der Länder Druck aus,
in denen sie durch eine Botschaft vertreten ist, um sicherzustellen, dass
Bhagwan dort nicht empfangen wird. Sie beginnt auch sofort ihre Fühler
nach Irland auszustrecken, mit dem Ergebnis, dass im Irischen Parlament
Fragen, die die Anwesenheit Bhagwans betreffen, öffentlich behandelt
werden.
18. März 1986
Bhagwan fliegt nach Madrid, wo ein Beamter der Botschaft von Uruguay auf
dem Flughafen erscheint und Bhagwan ein Visum für einen dreimonatigen
Aufenthalt in diesem Land übergibt. Auf der Reise dorthin verbringt
Bhagwan eine Nach in Dakar, Senegal (West-Afrika), während die Piloten
diese Reiseunterbrechung zur Rast nutzen.
19. März 1986
Bhagwans Ankunft in Uruguay. Die erste Woche verbringt er in einem Erste-Klasse-Hotel,
das an einem wunderschönen See an der Peripherie von Montevideo liegt.
Danach zieht er in ein stattliches Landhaus in dem luxuriösen Küstengebiet
und Ferienort Punta del Este.
Kontakte werden aufgenommen mit Regierungsbeamten, Ministern, der Presse
sowie Führern der Oppositionsparteien. Alle waren äußerst
angetan von der Idee, Bhagwan einen ständigen Aufenthalt in diesem
Land zu gewähren. Ein Antrag auf Daueraufenthalt wird sofort bearbeitet.
An dem Tag, an dem die Entscheidung getroffen wird, dass Bhagwan im Lande
bleiben kann, stellt die Amerikanische Regierung der Regierung von Uruguay
ein Ultimatum, das sinngemäß etwa lautet: Entweder wird die
Entscheidung zurückgezogen oder Amerika wird die Darlehen an Uruguay
in Höhe von sechs Milliarden Dollar, umgehend einfordern, sowie jegliche
zukünftige Unterstützung ablehnen.
Die Regierung von Uruguay bleibt keine Alternative. Bhagwan wird gebeten,
das Land nach Ablauf des 3-monatigen Visums zu verlassen.
18. Juni 1986
Bhagwan verlässt Uruguay in einem Privatflugzeug in Richtung Jamaica
– mit Zwischenlandung in Brasilien.
19. Juni 1986
Bhagwans Ankunft in Jamaica. Er bekommt ein 10-Tage-Visum.
Er fährt in ein luxuriöses Haus, das in Montego Bay für
ihn angemietet wurde. Fünf Minuten nach Bhagwans Ankunft auf dem
Flughafen landet ein Jet der U.S. American Navy (Marine). Zwei Männer
in Zivil verlassen das Flugzeug. Sie transportieren große Aktenordner.
20. Juni 2986
In aller Frühe erscheint bewaffnete Polizei in Bhagwans Haus und
fragt nach seinem Pass. Sein Visum wird auf der Stelle für ungültig
erklärt, und Bhagwan wird aufgefordert, das Land noch am selbigen
Tag zu verlassen. Er verlässt Jamaica am Abend in Richtung Portugal.
Für dieses Land hat Bhagwan ein 2-Monats-Visum.
21. Juni 1986
Bhagwans Ankunft in Portugal. Er verbringt eine Woche im Hotel Ritz. Danach
bezieht er ein großes Haus in den Wäldern oberhalb von Sintra,
ca. 25 km nördlich von Lissabon.
22. Juli 1986
Polizisten kommen ins Haus in Sintra und berichten, dass sie das Haus
unter Bewachung halten.
24. Juli 1986
Die Polizisten kommen wieder.
28. Juli 1986
Die Polizei benachrichtigt den Hausbesitzer, dass sie einen Mann zur Bewachung
im Haus zurücklassen werden.
29. Juli 1986
Bhagwan verlässt Portugal in einem privaten Jet in Richtung Indien.
Bhagwan: „Es war eine großartige Weltreise.“
Kommentar
EINE GROSSARTIGE REISE
Wie kann dieser Mann Bhagwan am Ende einer an Bedrohungen und Gewalttätigkeiten
nicht gerade armen Reise durch die westlichen Demokratien noch sagen,
es sei eine „großartige Reise“ gewesen?
Welche Qualität hat dieses Bewusstsein, dass es inmitten von Falschheit
und Ungerechtigkeit, von Intoleranz und dekadenter Moral, von Angst und
Gier im Hier und Jetzt verweilt, als könnte ihm diese Welt nicht
anhaben?
In dem Augenblick, als ich erfuhrt, dass die amerikanische Regierung die
Regierung von Uruguay erpresste, um Bhagwan aus diesem Land zu zwingen,
hatte ich einen kurzen, schrecklichen „glimpse“ von dem, was
Ma Prem Hasya in ihrem letzten Brief „kafkaesk“ nannte. Sie
hatte die „kafkaesken Methoden der internationalen Diplomatie erlebt“.
Bei Kafka sind die handelnden Personen dunklen, unfasslichen Mächten
ausgeliefert. Die Menschen dort sind „schuldig“, und weder
sie noch der Leser erfahren je, wessen sie sich schuldig gemacht hätten.
Die Kafkaeske Welt ist ein Absurdum – irreal und doch gegenwärtig,
unmenschlich und doch von Menschen regiert. Und immer stellt sich zum
Schluss ein bodenloses Gefühl ein: du bist ausgeliefert und weißt
nicht, wem und warum!
Wenn es das ist, was auf der Bühne der internationalen Politik gespielt
wird, dann habe ich noch nachträglich Angst um Bhagwan (was auch
absurd ist). Und ich bin erleichtert, dass er wieder in Indien ist, wohlauf
und gesund.
Nichts anderes aber ist durch Bhagwans Weltreise (wieder einmal!) unwiderruflich
belegt: Politiker jeglicher Richtung und aller Länder dieser Welt
sind so angstvoll machtbesessen, dass sie auf die Wahrheit eines einzelnen
Menschen, eines „ordinary man“, wie der Teufel auf´s
Weihwasser reagieren.
In Ma Prem Hasya, die Bhagwan durch alle Turbulenzen dieser Reise begleitet
hat, habe ich hier in Köln eine Frau erlebt, die menschlich, witzig
und intelligent ist. Das war eine zusätzliche Erleichterung für
mich.
In ihr spürte ich nach den Monaten des Entzugs wieder die sanfte
und warme Stimme Bhagwans. Und auch eine kraftvolle, rebellische, meditative
– Phänomene, die in dem „gap“ seit Kreta in mir
teilweise verschüttgegangen waren.
Der Geschmack von Abenteuer, der in den Erzählungen Hasyas durchschien,
machte mir wieder einmal klar, dass es kein Festhalten, keine Sicherheiten
im Leben zwischen Meister und Schüler, zwischen Freunden gibt, und
dass Liebe, Mut und Wahrheit das Leben erst vermenschlichen.
Wie es weitergeht, weiß ich weniger als je zuvor und bin sehr glücklich
damit.
Love to Bhagwan.
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